Verlag Der gesunde Menschenversand: Spoken Word, Slam Poetry und mehrVerlag Der gesunde Menschenversand: Spoken Word, Slam Poetry und mehr

Erich Kästner - "Ich glaube an DEN GESUNDEN MENSCHENVERSAND wie an ein Wunder, doch DER GESUNDE MENSCHENVERSAND verbietet mir, an Wunder zu glauben."

Geister sind auch nur Menschen

  • Katja Brunner: Geister sind auch nur Menschen
  • Hörspiel
  • Produktion: SRF 2017. Nur als Downlaod auf Portalen erhältlich!
  • Der gesunde Menschenversand, 2018
  • ISBN 978-3-03853-088-6
  • CHF 19.00
  • Heft, 1 Seiten

Als Download auf den üblichen Download-Portalen. Bestellungen über diese Website sind leider nicht möglich. Wir empfehlen das Portal spoken-word.ch.

 

Nominiert für den Hörspielpreis der Kriegsblinden 2018! Hier gehts zur Jurybegründung.

 

Das Altersheim: Eine Zwischenwelt, an der Grenze von Leben und Tod. Katja Brunner lässt sie zu Wort kommen: Die Unbetuchten und die Unbesuchten, die, die nicht vom Leben lassen können, und die, die man nicht aus dem Leben lässt. Sie alle haben noch Bedürfnisse: Denn Geister sind auch nur Menschen.

Abgeschirmt von einer Welt, der sie sich tatkräftig hingaben, betrachten sie verwundert die Scherben ihres gutbürgerlichen Lebens: Erlebtes steht neben unwiederbringlich Verpasstem, Träume mutieren zu Alpträumen. Der durch einen Schlaganfall versehrte Körper wird von seiner Bewohnerin als vergessener Handschuh empfunden, einem anderen wird wegen sexueller Übergriffigkeit am weiblichen Pflegepersonal der Rauswurf angedroht. Von Berührungen durch Pflegerhand zugefügte Hämatome werden im allseitigen Einvernehmen als "Zeichen der Zuneigung" befunden. Kein Blatt mehr nehmen die Alten vor die ausgetrockneten Münder. Schwall um Schwall bricht es ungehört aus ihnen heraus. Am Ende gewinnt der Krebs die Oberhand. Gebannt lauschen sie dem inwendigen Wachsen des Tumors bis ihre Kiefer runterklappen.

"Geister sind auch nur Menschen" ist ein Text für und von den Todgeweihten, die rundumversorgt im Heim ihre auf kapitalistische Betriebsamkeit getrimmten Nachkommen nicht behindern sollen. Katja Brunners Text holt die Sterbenden in der intensiven Hörspielinszenierung von Erik Altorfer in die Mitte unserer Gesellschaft zurück.



Mit: Marion Breckwoldt, Verena Buss, Jörg Dathe, Lisa-Katrina Mayer, Katja Reinke, Jörg Schröder, Nela Schröder, Hansrudolf Twerenbold, Friederike Wagner, Jirka Zett.



 

Musik: Mario Marchisella, Tontechnik: Basil Kneubühler, Dramaturgie: Wolfram Höll, Hörspielfassung und Regie: Erik Altorfer.

 



NZZ - Daniele Muscionico, 11. Dezember 2017

Katja Brunners Texte sind Hörstücke, Hörspiele, und der Regisseur Erik Altorfer zum Beispiel schafft es immer wieder, für sie eine Radiofassung zu finden, die das Potenzial der Sprachwucht zum Klingen bringt.

Jurybegründung Hörspielpreis der Kriegsblinden 2018, 20. April 2018

Wie mag es aussehen, im Inneren eines dementen Menschen?  Was mag jemand wahrnehmen, der über Achtzig ist und ohne Außenhilfe zu nichts mehr fähig, was die Jüngeren für wesentlich halten? Was findet eigentlich statt auf den langen Fluren und in den Zimmern eines „Aufbewahrungsgebäudes Altersheim“? Und vor allem: Wie fasst eine aufs Radio angepasste Erzählform diese Wirklichkeit? Bis hierhin könnte das Stück noch Reportage sein. Könnte. Denn Katja Brunners Hörspielvision eines Altersheims lässt soziologische Fragen beiseite und bietet in einer Art „Pflegeoper“ mit überraschenden, teils grotesken Sprachbildern eine etwas andere Perspektive auf ein drängendes gesellschaftliches Thema. In Nahaufnahmen und Totalen führt das Hörstück der jungen Autorin in ein Zwischenreich, in dem auch wir als Außenstehende unseren Platz haben. Denn wir, nicht die Bewohner dieses Reiches, weisen ihnen den Status des Nicht-mehr-ganz- da-seins zu. Dass Geister aber doch auch Menschen sind, zeigt der Ist-Zustand, den sich Brunner ausgedacht hat. Sie legt ihren „Senioren“ eine trockene Sprache in den Mund, die sie von ihren Zuständen distanziert, lässt sie „Hämatome wie Blümchenschmuck“ sehen, und die Busyness des Umfelds beklagen mit den Worten: „wie soll man denn Frieden finden, wenn gejoggt wird, dass die Grabplatten klappern“. Im Zusammenspiel mit Regisseur Erik Altorfer entsteht so eine zeitgenössische Danse Macabre.